Wissenswertes.

Funktion - Dysfunktion

Im Mundraum kommen die unterschiedlichsten Lebensfunktionen zusammen.

Schlucken und Saugen wurden schon intrauterin geübt, das Atmen beginnt mit dem ersten Schrei; Kauen, Schmecken, Sprechen, Verdauen, Infektabwehr kommen sukzessive hinzu. Vergessen wir nicht, dass das Kauorgan ganz wichtig für den Stressabbau ist.

Immer mehr Menschen müssen sich „durchbeissen“. Knirschen und Pressen sind allgegenwärtige Symptome. Stehen die Zähne dann nicht in guter Beziehung , die Kiefer in einer Fehlstellung und sind die Gleitbahnen für die Funktion zu stark geneigt ist das lockere Spiel der Kiefer in der Funktion des Kauens, aber auch in der Parafunktion des Knirschens unterbunden.

Die Folge sind unphysiologische Belastungen des Zahnhalteapparates: das Zahnfleisch geht zurück, die Zahnhälse stehen frei, werden empfindlich und die Zähne können sich lockern.

Im Kiefergelenksbereich entstehen meist heftige dumpfe Schmerzen, Geräusche im Ohr, Tinnitus, Migräneanfälle und auch Verspannungen in ferneren Muskelregionen im Nacken, Hals und im Schultergürtel sind oft Ausdruck einer Dysfunktion des Kauorganes.

Durch den zunehmenden Stress im Alltag wirken sich Fehlstellungen der Zähne und der Kiefer immer häufiger als Kiefergelenksbeschwerden aus. Diese sind heute unter dem Namen CMD (Cranio-mandibuläre Dysfunktion) zusammengefasst.

CMD (Cranio-mandibuläre Dysfunktion)

Meist wird der Unterkiefer beim Zusammenbeissen nach hinten oder zur Seite gerückt - oft nur im Zehntelmillimeterbereich-, es werden Patho-Mechanismen ausgelöst, deren Folgen Verlagerungen und Degenerationen der Knorpelkappen der Kieferköpfchen sind, mit Reizung des Nervengewebes hinter dem Köpfchen. Knacken und Klicklaute treten auf.

Muskeln werden ständig in Kontraktion gehalten, um die Kiefer in eine bessere,-schmerzfreie Position zueinander zu bringen. Neben degenerativen Folgen –wie Arthrosen, kommen Entzündungen, Gelenksergüsse und Abbauvorgänge des Kieferköpfchens vor.

Verhärtungen an weiter entfernten Muskeln mit Schmerzen sind zu beobachten, Migräneattacken können ausgelöst werden.

Hinzukommender Stress-Verlust der Arbeit, Scheidung, Todesfall etc. verschlimmern die Situation schlagartig. Oft haben die Patienten eine Reihe von Spezialisten kontaktiert, bis sie zum Kieferorthopäden kommen.

Am häufigsten sind CMD –Beschwerden bei Klasse II/2 Patienten mit Tiefbiss.

Bei Klasse II Patienten mit offenem Biss

Bei Patienten mit Prämolarenextraktion (meist Viererextraktion), wenn der Biss nicht ausreichend gehoben werden konnte und durch den Lückenschluß zu enge Funktionsräume gestaltet wurden.

Was tun?

Liegt eine typische Zahn – oder Kieferfehlstellung vor, kann ein funktionsorientierter Zahnarzt Abhilfe schaffen. Die Therapie besteht in festsitzenden bzw. abnehmbaren Zahnspangen, mit denen die Okklusion korrigiert, die Kiefer in Klasse I (Regelbiss) –Verzahnung gebracht und die Bissebene für die neuzugewinnende Funktion geschwenkt werden kann.

Es muss in der Therapie Freiheit für alle Bewegungen des Unterkiefers zur Seite und nach vorne angestrebt werden. Es müssen Ober-und Unterkiefer wieder richtig“verzahnen“.

Eine Extraktion der Backenzähne würde uns diesen Weg der Behandlung nur erschwerden, da alle Zähne für das gute Funktionieren gebraucht werden!!

Die Weisheitszahnentfernung ist unser einziger Kompromiss! Weisheitszähne brechen heutzutage meist gar nicht mehr richtig durch, sind eingeklemmt,verlagert und verursachen später häufig Probleme.

Ein Unterkiefer, der frei alle seine funktionellen Bewegungen durchführen kann , verursacht keine Störungen des Kiefergelenks und das Aufhängeapparates.

Das Ziel der guten Funktion kann beim funktionsgestörten Kauorgan im Erwachsenenalter mit der MEAW-Technik ( Sato-Technik) erreicht werden, wobei Zahnbogenform, Neigung der Okklusionsebene und die Vertikaldimension größte Beachtung finden.

Im Kindesalter kann eine gestörte oder fehlende Funktion mit abnehmbaren  Zahnspangen behandelt werden. Nach Pedro Planas, Barcelona, sollte man Kinder ab dem 2.Lebensjahr kontrollieren und bei den geringsten Anzeichen einer Funktionsstörung sollte mit der Therapie begonnen werden. „Abwarten“ ist nicht der beste Weg. Das Kind muss allerdings so weit sein, dass es mitarbeiten kann.

Das zentrale Thema bei der Planas-Technik

  • Begleitung und Beobachtung der Entwicklung der Zahnbögen und der Kieferbeziehung, insbesondere des Funktionierens zu beiden Seiten in einem Äquilibrium.
  • Selektives Einschleifen und
  • je nach Reifezustand des Kindes ist eine  spezielle, kleine Zahnspangen zu geben, die die Zahnbögen ausformt und die Lateralbewegungen zulässt, um so  die Funktion wiederzugewinnen.

Ein arger Vorbiss des Unterkiefers sollte bei Kleinkindern unbedingt überstellt werden. Mit den speziellen Zahnspangen kann das in wenigen Wochen geschehen. Mitarbeit, d.h.Tragen der Zahnspange 23h /Tag ist unbedingt einzuhalten. Auch Störungen -wie Rückbisslagen, Tiefbiss, Kreuzbiss, Engstand läßt sich mit Zahnspangen nach P. Planas, den therapeutischen Zahnspangen der RNO-neurookklusalen Rehabilitation behandeln.

Dabei ist zu bemerken, dass P. Planas auch an der Bogenform und der Neigung der Beißebene arbeitet. So decken sich die Gesetze der MEAW-Technik (Sato-Technik) mit den Auffassungen von P. Planas. Das Erstaunliche ist, dass auch bei Erwachsenen mit abnehmbaren Zahnspangen nach Pedro Planas schöne Ergebnisse zu erreichen sind-allerdings dauert die Behandlung hier wesentlich länger als mit einer festsitzende Zahnspange.

Unser Ziel soll immer die gute Funktion des Kauorgans sein.

Der Zahnarzt muss präventiv die Entwicklung zur physiologischen Funktion des Kauorgans im Auge haben, bei Störungen eine Therapie einleiten und die Entwicklung zur optimalen Funktion steuern.

Im Erwachsenenalter kann der mit der „Sato-Technik“ oder besser MEAW- Technik vertraute Zahnarzt das funktionsgestörte Kauorgan mit Hilfe dieser speziellen Technik durch

  • Änderung der Form der Zahnbögen,
  • Änderung der vertikalen Dimension,
  • Schwenken der Neigung der Okklusionsebene,
  • der Beseitigung von Störkontakten und
  • dem Gewährleisten, sowohl der satten Verzahnung, als auch der Freiheit des Unterkiefers in seinen Bewegungen kann ein funktionsgestörtes Kauorgan erfolgreich therapiert werden.